Claudia Gutting
Hamburg

1 Der Kaufmann von Venedig

Einmal quer durch Santa Croce.


Startpunkt: Bahnhof Santa Lucia

Es beginnt.

Wir stehen am Ausgang vom Bahnhof Santa Lucia und schauen staunend auf den Canale Grande. Und nun?

Wir ziehen am Automaten ein Day-Ticket, suchen den Anleger vom Vaporetto Numero 1 und hüpfen freudig auf das Boot. Die Nase - vom Vaporetto - sollte nach links zeigen.  Ahh, jetzt fahren wir gleich den Canale Grande entlang. Schöner kann es nicht werden, interessanter aber schon. Nach kurzem Zögern steigen wir an der Haltestelle San Stae aus und laufen in die Salizada San Stae hinein. Nach circa 100 Metern entdecken wir links den Eingang zum Palazzo Moncenigo. Hinter den Mauern warten Kostüme und Räumlichkeiten aus dem 17. Jahrhundert auf uns. Mal kurz überlegen – hinein oder weiter? Beides ist möglich. 

Beeindruckt von den Gebäuden und engen Gassen sehnen wir uns nach der ersten Pause. Ganz in der Nähe ist eine kleine Oase zu finden, der Garten vom Museo Storico Naturale. Das Museum selbst ist aufwendig renoviert und für Kinder prima geeignet. Wenn wir nicht aufpassen, ist der halbe Tag schon gleich um. Also wandern wir weiter und queren den Campo San Giacomo dall'Orio. Auf dem großen Platz vor der Kirche können wir wie überall in Venedig alle Kinder einfach toben lassen. Keine Autos, keine Mopeds, keine Roller, keine Lastenfahrräder ... Venedig ist ein Paradies für Fußgänger. Eigentlich können wir uns in einem Cafe auf dem Platz einen Espresso und ein Eis gönnen und das bunte Treiben beobachten. Neben vereinzelten Touristen scheint es hier auch echte Einwohner zu geben, die einkaufen gehen oder ihren Geschäften folgen. Echtes venezianisches Leben. 

Irgendwann möchten wir doch weiter und sind fast berauscht von den vielen Palästen, Kirchen und Gebäuden um uns herum. Auf Schritt und Tritt sind Kunstwerke zu entdecken. Eigentlich müssen wir nichts suchen, denn uns fällt alte und neue Kunst sozusagen entgegen. Um nicht gänzlich die Orientierung zu verlieren, geben wir Scuola Grande San Giovanni Evangelista ein. Wir sehen dort ein großartiges Ensemble von Kunstmuseum, Campo und Kirche. Und entscheiden zeitabhängig, ob wir das Museum besichtigen oder unserem Urban Walk weiter folgen. Das nächste Ziel ist die die Kirche San Nicola da Tolentino. Wir halten kurz inne. Dann entdecken wir nebenan ein modernes Tor, durch das wir in den Innenhof vom alten Konventgebäude gelangen. Heute Sitz der Universität Venedig. 

Der ungewöhnliche Eingang ist von Carlo Scarpa gestaltet, einem venezianischen Architekten, der im 20. Jahrhundert einen prägenden Einfluss auf die Formensprache der Architektur in Venedig und ganz Italien hatte. Seine Projekte waren wegweisend und muten bis heute futuristisch an. Ich liebe seine Midcentury-Bauten. Siehe auch Palazzo Querini Stampalia im Urban Walk  3 Heimliche Liebe

Seufz, ach Venedig. 

Wir lustwandeln weiter zur Ca`Foscari Palazzina Briati und sind schon wieder an einem Universitätsgebäude. Wir grübeln kurz, ob die Statue einen Kaufmann oder einen Gelehrten darstellen soll, was in Venedig durchaus kein Gegensatz war und ist. Dann promenieren wir weiter zu einem kleinen Juwel, dem Kirchlein San Nicolo dei Mendicoli, immer durch leere Gassen und an Kanälen entlang. Hier ist es irgendwie anders. Es sieht nach echten Bewohnern aus. Richtige Venezianer? 

Jetzt sind wir fast einmal quer durch.  Als letzten Orientierungspunkt geben wir den Anleger S. Basilio in das Navi ein. Vorsicht, der Vaporettoanleger ist gemeint, nicht das Kreuzfahrterminal!! Der Urban Walk endet am Canale della Giudecca und wir werden mit einem wunderbaren Blick über den Kanal auf die Molino Stucky belohnt. Geschafft! Jetzt sind wir müde, aber glücklich. Über Anleger S. Basilio zurück.

Dieser Urban Walk eignet sich gut für Familien mit Kindern.

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