13 Kunstvolle Verführung
Ein Spaziergang mit Versuchungen und Verführungen.
Startpunkt: Anleger Ca' Rezzonico
Um Enttäuschungen vorzubeugen: Es sind kulturelle Verführungen gemeint, denn dieser Spaziergang ist reichlich versehen mit kunstvollen Versuchungen.
Wir beginnen im 18. Jahrhundert, daher besuchen wir das Museo Settecento Veneziano im Ca' Rezzonico. Das Gebäude fällt durch die barocke Fassade auf und ist einer der wenigen Paläste, die aufgrund der musealen Nutzung für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Eine repräsentative Treppe führt uns in das Piano Nobile und wir treten ein in einen großen Saal.
Nun passiert es. Wir werden verzaubert und tragen plötzlich barocke Roben, Juwelen am Hals, auf dem Kopf und wo sonst noch am Körper Platz ist - und signalisieren dem Personal in Livreen, dass wir ein Kristallglas Vino Frizzante haben möchten. Es erklingen barocke Klänge und wir schweben im Ballsaal über das Parkett. Wir können wir uns auch in die wunderschön ausgestatteten Boudoirs zurückziehen oder an die kleinen Spieltische setzen. Wir fühlen im Ca' Rezzonico das Leben der venezianischen Oberschicht und genießen die Möbel und Gemälde um uns herum. Besonders unterhaltsam sind die Bilder von Pietro Longhi, der den luxuriösen Alltag jener Zeit in Öl gebannt und somit der Nachwelt erhalten hat.
Aber irgendwann holt uns doch die eigene Zeit ein, in die wir gehören. Noch ein Espresso im Museumscafé, dass eine Terrasse auf den Canale Grande hat; noch ein kleiner Rundgang durch den Garten und dann geben wir Ponte San Trovaso und danach Zattere in das Navi ein. Nach der Ponte San Trovaso sehen wir bald auf der gegenüberliegenden Seite die einzig verbliebene Gondelwerft in Venedig. Mindestens eine Gondel liegt immer im Trockendock. Der asymmetrische Gondelbau ist eine hohe Handwerkskunst und kann wohl nur hier erlernt werden. Kurz stehen bleiben und staunen. Eventuell andere Fotografierende leicht beiseite stupsen.
Dann schlendern wir weiter zum Anleger Zattere und schauen auf den Canale della Giudecca. Vorsicht, nur Anfänger verwechseln die breite Wasserstraße mit dem Canale Grande. Jetzt halten wir uns links und flanieren die schöne Promenade Fondamenta Zattere entlang. Immer weiter, über Brücken, vorbei an Kirchen, Palästen, historischen Gebäuden und dem Ruderclub San Marco, bis wir an der Punta della Dogana stehen. Wir sind an der Spitze von Dorsoduro angelangt, hier geht es nicht mehr weiter. Der Blick über die weite Lagune lässt uns alles vergessen - ein magischer Ort. Früher allerdings weniger beliebt, denn hier war das alte Zollamt untergebracht, dass die einfahrenden Schiffe abkassierte. Das passiert heute nur noch beim Eintritt in das Kunstmuseum, dass in den alten Hallen untergebracht ist. Kann man machen oder noch im Barock bleiben, denn die Kirche Santa Maria della Salute ist nur ein paar Meter weiter zu besichtigen. Deutlich erkennbar an den großen Schneckennudeln rund um die Kuppel.
Der Canale Grande bleibt jetzt immer rechter Hand und wir laufen durch enge Gassen weiter zum Peggy-Guggenheim-Museum. Man wird fast von Kunst bedrängt, denn alle paar Meter zeigen große Schaufenster Gemäldegalerien, Antiquitäten und Skulpturen. Versucht wird man bei dem Preisniveau allerdings weniger. Da leisten wir uns lieber den Eintritt in das PGM, dass in einem halbfertigen Palazzo die Sammlung der Kunstmäzenin und Millionenerbin Peggy Guggenheim enthält. Sie war wohl schon ein bisschen exaltiert, pflegte aber zu vielen Kunstschaffenden ihrer Zeit enge und sehr enge Kontakte und unterstütze einige auch finanziell. Geblieben ist eine Ausstellung hochkarätiger Kunstwerke, die in ihren Wohnräumen untergebracht sind und mit denen sie gelebt hat. Besonders Alexander Calder und Max Ernst sind hervorzuheben, aber das ist Geschmacksache.
Nach diesem Besuch sind wir eigentlich endgültig bedient. Aber Dorsoduro verführt uns am Ende dieses Urban Walk noch mit einem weltberühmten Höhepunkt: Wir treffen auf die Galleria dell'Accademia, in der wir Gemälde aller bekannten venezianischen Künstler von der Gotik bis zum Rokoko bewundern können. Ob wir das jetzt noch schaffen?
Oder gehen wir erst einmal einer anderen Versuchung nach und etwas Essen und Trinken?
Fürs erste kommen wir über den Anleger Accademia oder über die gleichnamige Brücke überall hin und weiter. Und ein anderes Mal wieder hierher. Bestimmt. Sowieso. Auf jeden Fall. Die ganze Stadt ist eine permanente Verführung. Je mehr man eintaucht, desto mehr neue Möglichkeiten öffnen sich. Eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Man wird süchtig nach La Serenissima.
So geht es seit Jahrhunderten schon vielen Besuchern. Und es gibt wahrlich Schlimmeres als sich mit Schönheit und Kultur zu umgeben. Und gutem Essen, versteht sich.
Ein Tag. Oder eine Woche. Oder ein Jahr. Oder mehrere Jahre. Für manche ein Leben lang.
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